Zügeln in die Neutralität

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Der unendliche Winter

„Ich habe die Nase voll!“ Mit verschränkten Armen steht Ingo am Stubenfenster und beobachtet die weißen Flocken, die wie von Geisterhand aus einem scheinbar unendlichen Vorrat an Schnee verstreut werden. „Ich will endlich Sommer!“ Seit Oktober liegt in der Schweiz nahezu ununterbrochen Schnee. Die Minustemperaturen drücken der weißen Pracht den unverkennbaren Winterstempel auf. Selbst aus dem Munde von Herrn Schweizer oder Frau Schweizerin hört man seit kurzem Klagen nach einem baldigen Ende der Kälte lauter werden. Der Wunsch nach Sonne und Wärme hat Hochkonjunktur wie der Einzelhandel. Der Himmel ist tief grau marmoriert und die kaum sichtbare Februar-Sonne versilbert die Ränder der dahin jagenden Schneewolken. Minus 8 Grad zeigt das Thermometer an und Zentralheizung und Teekessel laufen seit Monaten auf Hochtouren.

Mit angewinkeltem Knie, den Fuß an das Gesäß gedrückt, stehe ich am Esstisch, um meine Muskeln nach dem soeben beendeten Lauftraining zu dehnen. Meine Wangen glühen und glücklich blicke ich aus dem Fenster. „Ich weiß gar nicht was Du hast.“ Erstaunt beobachte ich Ingos Profil, das unter den grimmigen Augenbrauen wie ein getrockneter Apfel im Gemüsekeller aussieht. „Es ist doch herrlich oben am Zürichberg! Der schöne weiche Schnee, der verschneite Märchenwald und keine Menschenseele. Und beim Joggen wird einem doch von alleine warm. Von mir aus könnte der Winter bis zum August andauern!“ Freudestrahlend ergreift Ingo meine Hand und drückt sie leidenschaftlich an seine Lippen. „Dann müssen wir nur noch einen Schneemann für Dich finden, denn ich werde vorher in den Süden auswandern!“