Schreckmümpfeli

 Text:   Claudia Suleck

 

 

Schreibwettbewerb von  www.Schreibszene.ch (2. Platz von 152 Teilnehmern).

Gesucht waren Gedichte, Begebenheiten, Kurzgeschichten mit einer Nackenhaarsträubenden Komponente.

 

Verbleibende Zeit

Wie ein gieriges Ungeheuer verschlingt das schwarze Wasser der Themse erbarmungslos die Westminster Bridge. Gewaltig und mächtig baut sich der Big Ben vor mir auf. Sein Ziffernblatt flackert. Mir ist übel. Wie hypnotisiert starre ich in die Menge. Warum schreit Ihr so? Lasst mich in Ruhe! Ich will hier weg! Gott, tut das weh! Einem hilflosen Zappeln ähnlich versuche ich meinen Körper zu den rettenden Reserven zu überreden. Mir laufen die Tränen über das Gesicht. Die körperlichen Grenzen der Wirklichkeit spiegeln sich in den verkümmerten Resten meiner Einbildung wider. Verzerrte Stimmen klingen durcheinander, rufen meinen Namen. Eine Hand greift nach meiner Schulter. „Are you all right?“ Der eindringliche Unterton seiner Stimme drängt sich in mich. Ich spüre seinen feuchten Atem an meiner glühenden Wange. Schmerzhaft krallen sich die fordernden Finger an meiner Schulter fest und zwingen mich, ihn anzusehen. Ein letztes Mal bäumt sich mein Körper auf und ich reiße schwerfällig die Arme nach oben. „I‘ve done it!“. Vier Stunden liegen hinter mir und die schützende Hand auf meiner Schulter klopft anerkennend. „Well done, Marathon-Lady!“

 

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