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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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22. Juli 2007 Englische Mietverhältnisse Nach endlosen Fragen seitens der Property Letting Agency und einer langen Liste an nachzuweisenden Einkunftsquellen unsererseits, dürfen wir uns endlich offizielle Mieter von 1A Wrayfield Avenue nennen. Eine satte Gebühr von GBP 205.63 lässt nicht lange auf sich warten. „Admin Fee“ wird die Unverschämtheit hier genannt und willig fügen wir uns unserem finanziellen Schicksal. Die Wohnung ist wahrlich kein Schnäppchen. Fast 1.200 € Kaltmiete pro Monat müssen wir hinblättern, für englische Verhältnisse trotzdem noch unterhalb der Schmerzensgrenze. Eine beauftragte „Inventory Company“ nimmt sich in den nächsten Tagen der Inventur- und Mängelaufnahme in unsere Wohnung an. Der Report wird später nicht weniger als 161 Punkte aufweisen. Von Kratzern in Türen und Fensterrahmen über Staub auf Einrichtungsgegenständen in Küche und Badezimmer beschreibt er sogar Lampenschirme und Gardinen, benennt die Toilettenbürste und Seifenschale als Eigentum des Vermieters. Mieter haben im Königreich nicht viel zu lachen. Agencies und Vermieter blicken auf Mieter eher abfällig hinab, stempeln sie ab als jene, die sich den Kauf von Eigentum nicht leisten können. Der 13seitige Mietvertrag deckt alle Eventualitäten ab, macht uns unmissverständlich auf unserer Pflichten aufmerksam. Wir dürfen weder Löcher in die Wand bohren noch zwischen den Elektrizitätsanbieter wählen, nicht länger als drei Wochen in Urlaub fahren und schon gar nicht unsere Wäsche in einem der Räume trocknen. Der Garten weist mit eigenen Regeln auf: Keine Blümchen pflücken, kein Lagerfeuer, keine lauten Partys. Nur still genießen dürfen wir. Ich glaube, wir sind in einem Altenheim gelandet. Nach einem Jahr Mieterdasein in Wrayfield Avenue erhalten wir einen Brief von der Agentur, die danach fragt, ob wir den Mietvertrag verlängern möchten. Komische Frage, wir haben mit keinem Wort erwähnt, dass wir ausziehen wollen. Der Folgesatz bringt Licht ins Dunkle. Falls wir beabsichtigen, das Mietverhältnis fortzusetzen, dürfen wir den beiliegenden Mietvertrag unterschreiben und auch gleich eine Mieterhöhung in Höhe von 2.9% akzeptieren. Ein weiteres Jahr vergeht und erneut bekommen wir von der Agentur die Benachrichtigung, es sei an der Zeit den Mietvertrag zu erneuern. Falls wir daran interessiert seien, dürfen wir uns berechtigt fühlen, den angefügten 36seitigen e-Mail-Anhang auszudrucken, zu unterschreiben und per Post zurückzusenden. Außerdem möchten wir bitte schnellstmöglich einen Scheck in Höhe von GBP 58 für Bearbeitungsgebühren einreichen. Ich bekomme meinen jährlichen Wutanfall noch bevor ich mit dem Lesen am Ende der e-Mail angelangt bin. Fieberhaft such ich nach höflichen Worten, mit denen ich das Antwortschreiben formuliere: „ …..ist leider vor wenigen Tagen unser Drucker kaputt gegangen……wären wir dankbar……den Mietvertrag per Post zuschicken würden…..“ Mittlerweile steht unser Name vermutlich auf der roten Liste sämtlicher Maklerbüros und Vermietervereinigungen aber ganz ehrlich, für fast 60 Pfund werde ich nicht eine einzige Seite ausdrucken! Eigentlich begann unser Unmut gegenüber diesen Halsabschneidern genau vor drei Jahren. Wir hatten damals eine Verabredung mit dem Maklerbüro, um uns eine Wohnung anzusehen. Ingo war zu dieser Zeit ganz neu in seiner Firma und hatte alle Hände voll zu tun, Unternehmen, Mitarbeiter und Surreys Slang kennen zu lernen. Während dieser stressigen Phase nahm er sich eine Stunde Zeit, um mit mir die Wohnung zu besichtigen. Nach einer halben Stunde Warten im strömenden Regen war die Maklerin noch immer nicht aufgetaucht und ein Anruf im Maklerbüro brachte Licht ins Ungewisse: „I can’t find the keys to the flat, so perhaps we arrange another date…“ Soviel zur englischen Zuverlässigkeit.
Aber falls sich herausstellen sollte, dass die Wohnung nur 100.000 Pfund wert ist, könnt Ihr uns gerne noch mal ansprechen!“ Diese Aussage könnte man unter deutschen Humor zählen, denn die englische Seite konnte darüber überhaupt nicht lachen.
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