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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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04. Juni 2006 Ostern feiern mit dem ADAC Hektisch drehe ich den Gashahn meines roten Motorrades weiter auf. „Bitte nicht schon wieder…“ schießt es mir durch den Kopf. Doch meine BMW hat ihren eigenen Willen. Trotzig spotzt sie vor sich hin, ruckt, röchelt, um Sekunden später zu verstummen. Das ist bereits das dritte Mal innerhalb von zwei Tagen. Das Osterwochenende in Irland haben wir uns wahrlich etwas erholsamer vorgestellt. Wütend steige ich ab und knalle den Seitenständer zur Seite. „Du blödes Ding! Was habe ich Dir eigentlich getan?“ fange ich an zu zetern. In aller Seelenruhe beginnt Ingo, meine Sitzbank abzubauen, legt Werkzeug und Ersatzteile zurecht. „Was fehlt uns denn, hm?“ fragt er mit sanfter Stimme in Richtung Motor. Als Handlanger reiche ich die geforderten Utensilien: Schraubenzieher, Schraubenschlüssel, Ersatzzündkerze. Es dauert genau 1 Stunde und 22 Minuten bis auch Ingo die Geduld verliert. „Diese alte Zicke! Ich kann nichts finden!“ Die Antwort auf die Frage nach dem „was nun?“ ist schnell beantwortet. Wozu haben wir seit ungefähr 100 Jahren eine ADAC Mitgliedschaft?
Na, wenn wir das mal wüssten! Ingo macht ihm schnell klar, dass sich die Fehlersuche als ausgesprochen schwierig erweist, da er das nötige Werkzeug nicht zur Hand hat. Und außerdem stehen wir hier am Straßenrand einer netten Countryside Road in der Nähe von Donegal und abgesehen von einer netten Aussicht hat es hier nicht wirklich viel mehr zu bieten. „OK, kein Problem“, so Herr Günter B. „Ich schicke Ihnen einen unserer Mechaniker vorbei, die in unserem Auftrag für Irland tätig sind.“ Ob ihm denn bewusst wäre, dass heute Ostersonntag ist, fragen wir höflich an. „Alles kein Problem, die Jungs arbeiten rund um die Uhr.“ Hört sich gut an! Hoffentlich müssen wir nicht so lange warten… Meine Bedenken lösen sich in Luft auf, denn schon nach 5 Minuten klingelt das Telefon und ein irischer Mechaniker namens Dave stellt sich uns vor. „Ich komme in ca. 20 Minuten mit meinem Hänger vorbei um die BMW abzuschleppen.“ Seine tiefe Stimme rauscht in meinem Ohr. Die soll aber gar nicht abgeschleppt werden, denke ich mir und wiederhole diese Worte in Richtung Telefonhörer. „Na, reparieren kann ich die Maschine auch nicht. Die Fehlersuche müsste schon eine Werkstatt übernehmen“ so Daves ehrliche Antwort. „Hold on, Dave, wir müssen wohl den Automobilclub noch mal anrufen!“
Fünf Minuten später klingelt erneut das Handy: „Hier Günter B. vom ADAC. Ich habe noch mal über Dublin nachgedacht, das könnte doch etwas weit sein. Laut Landkarte die ich vor mir liegen habe, sieht es nach 600 km und mehr aus. Aber Sie sind ja momentan ganz im Norden des Landes, sozusagen ganz in der Nähe von Belfast. Vielleicht ist es das beste, die BMW in die dortige Werkstatt zu bringen.“ In der Zwischenzeit klingelt es auf unserem anderen Mobiltelefon. Mechaniker Dave möchte auf den Stand der Dinge gebracht werden. „Soll ich nun mit dem Hänger kommen oder nicht?“ Ich erzähle ihm kurz, was der ADAC für Pläne hat. „Nach Belfast kann ich die Maschine aber nicht bringen“, klärt uns David kurz und knapp auf „Ich habe nur die Genehmigung für einen Transport bis zur Grenze nach Nordirland, nicht weiter…“ „Herr B. hier ist noch ein kleines Problem…“ meine Laune ist nicht mehr ganz so entspannt und auch Günter B. klingt nun leicht gestresst: „Nur bis zur Grenze, ja natürlich, so schreiben es die ADAC Regeln vor. Belfast ist ja auch die andere Richtung, vielleicht sollten wir dann doch Dublin wählen. Was ist heute für ein Tag? Ostersonntag…..hmmmm……morgen ist Ostermontag…….wenn die Jungs in Dublin am Dienstag Morgen mit der Reparatur beginnen………hmmmm…….ok, so könnte es klappen! Bis Dienstag Abend sollte Ihr Motorrad repariert sein und Sie können es wieder mit nach England nehmen.“ „Kann das Motorrad nicht einfach zu uns nach Reigate geliefert werden? Ohne Reparatur?“ frage ich vorsichtig in Richtung Hörer. „Dann könnte Ingo noch mal ganz in Ruhe nach dem Fehler suchen und wir würden nicht ein Vermögen an eine BMW Werkstatt zahlen. Der Erfolg ist ja sowieso nicht garantiert". „Na so einfach ist das auch nicht“, so die etwas entrüstete Antwort des Günter B. „Ich muss mich auch an meine Vorschriften halten. Aber wenn eine Reparatur in Dublin nicht klappt, muss das Motorrad eben bis zur Fähre geschleppt werden. Sie könnten dann mit dem Motorrad nach England übersetzen und wir müssten dann versuchen, in der englischen Hafenstadt Fischguard einen Motorradhändler finden. Bis Sie in Fishguard mit der Fähre angekommen sind, habe ich sicher alles organisiert. Aber jetzt eines nach dem anderen!“ Ingo runzelt die Stirn. „Fishguard besteht aus drei Häusern und einer Tankstelle...“ Haucht er mir entgegen. „Da bin ich ja mal gespannt, wo die einen BMW Händler herzaubern…“ Geduld und Warten heißt es für uns für die nächsten 50 Minuten, bis sich das Telefon erneut in rhythmischen Tönen zu Wort meldet. „Ingo speaking“ antwortet Ingo in gewohnter Weise. „Hier Günter speaking, ich meine natürlich Günter B. vom ADAC. Ich glaube, ich habe mich da etwas verrannt. Das klappt so alles nicht. Vielleicht ist es doch das beste, wir liefern Ihr Motorrad direkt zu Ihnen nach Hause. Mit den Osterfeiertagen ist das ja so eine Sache, da kann man sich auf nichts wirklich verlassen. Ich hoffe, ich habe Sie nicht zu sehr verärgert, aber Sie wissen ja, Vorschriften sind Vorschriften…“ |
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