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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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14. Dezember 2005 London, der Immobilienbasar “£1.99 !!!!” den Aufschrei nur mühsam unterdrückend starre ich ungläubig auf das Plakat an der mächtigen, dunklen Holztür. Der Eingang zum Wetherspoon-Pub ist tapeziert mit Schnäppchenangeboten und Preiskillern. Das Full English Breakfast gibt’s hier für weniger als als’n Zwickel, genauso viel wie das durchschnittliche Trinkgeld des ebenso durchschnittlichen Engländers. London, der Billigbazar? Wohl kaum. Wetherspoon-Kneipen gehören eher zur Ausnahme der rar gesäten Sparmöglichkeiten im Königreich. Fest definierte Biersorten? Verschwender! Weatherspoon kauft ein, wo’s am billigsten ist. Und wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum in drei Wochen abläuft, geht’s halt zuerst über den Kneipentisch. Quantität vor Qualität. Beim Biertrinken schert sich niemand drum. Schließlich muss Mr. Engländer zusehen, sein Pensum vor der Last Order Verlautbarung intus zu haben. Und die Zeit ist dank regelmäßigem Kampftrinken von gefolgter Alkoholresistenz verflixt knapp.
Aber bitte, man gewöhnt sich an alles. Die kleine Tasse Kaffee Latte To Go gibt’s bei der weit verbreiteten Kaffee-Shop-Kette mit dem grünen Logo für £2.85. Diesen Preis muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zweipfundfünfundachtzig! Das sind 4,20 Euro und waren vor gar nicht allzu langer Zeit einmal 8,40 DM. Mal unter uns. Wer hätte vor 5 Jahren den fliederfarbenen 10 DM Schein leichtfertig aus der Hosentasche gezogen, ihn mit einem lächelnden „stimmt so“ gegen einen Milchkaffee eingetauscht? Ich jedenfalls nicht. Und doch gehört es hier zur normalsten Sache der Welt. Genauso normal wie einen monatlichen Dauerauftrag über £775 einzurichten zugunsten den sowieso schon wohlhabenden Vermietern. Kalt wohlgemerkt und wenn ich sage kalt, dann meine ich kalt. Zu Englands vermieteten Wohnungen gehören undichte, einfach verglaste Fenster mit morgendlichem Kondenswasser an den Scheiben, das man für die Trinkwasserversorgung einer ganzen Familie nutzen könnte. Und trotzdem leben wir ausgesprochen günstig für örtliche Verhältnisse. Eine Miete von weniger als £800 pro Monat, darüber spricht man nicht. Ein Hauch von nichts, sozusagen.
Unsere mickrige 2-Bedroom-Flat würden wir für £300.000 bekommen, das sind läppische 500.000 Euro, knappe 1.000.000 DM. Wow, sechs Nullen. Bestimmt liegt’s am Blick ins Grüne und den fett gefressenen Eichhörnchen im Garten. Zweistöckige Neubauhäuser sind für runde £600.000 aufwärts zu haben. Nicht für uns. Vielleicht im nächsten Leben.
In die wohlverdiente Rente geht, wer es sich leisten kann. Je eher desto besser. Allerdings ohne sich auf das staatliche Ruhegeld zu verlassen. Kein Wunder, bei mageren 35% des durchschnittlichen Nettogehaltes lässt es sich weder leben noch sterben. Privatvorsorge heißt die Lösung, die als lukrative Sicherheit in vermieteten vier Wänden sitzt. Der Häuser- und Wohnungsmarkt hat Hochkonjunktur im international interessanten London, der dank der Wohnungsknappheit in der Blüte des Wirtschaftzeitalters steht. Nicht nur unter Studenten ist es üblich, Wohngemeinschaften zu bilden. Ärzte, Anwälte, Sekretärinnen, in der Hauptstadt lebt alles unter einem Dach. Jeder Platz wird genutzt, von der Besenkammer bis zum Zimmer mit Blick auf den Hyde Park. Die Weltstadt an der Themse besitzt eine satte Prise Besonderheit, giert nach Aktion und trotzt der Vergänglichkeit. Wir befinden uns mitten drin, in einer der lebenswertesten Städte weltweit. Mit diesem Gedanken bestelle ich mir einen Milchkaffee und gönne mir einen Muffin dazu. Den Preis von £5 bezahle ich glücklich und ohne Klagen. Vielmehr glaube ich, dass der preisliche Umstand auf einem Naturgesetz beruht...... |
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