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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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02. Okt. 2005 Bauarbeiter sind pflegeleichter als Eichhörnchen! Vorsichtig öffne ich die Haustür. In geduckter Haltung dreht sich mein Kopf hektisch von links nach rechts. Kein Mensch in Sicht. Die Dämmerung breitet sich über unseren Garten aus und wirft ihre dunklen Schatten über Büsche und Bäume. Mit zaghaften Schritten wage ich mich voran. Hoffentlich sieht mich keiner, durchfährt es wie ein Blitz meine Gedanken. Wie ich diesen allabendlichen Gang verabscheue! Unwillig starre ich auf das Tablett in meiner Hand. Zwei Biskuits, sorgfältig in vier Teile geschnitten, daneben 2 Sausage Rolls. Die Handvoll Rosinen runden den Anblick ab. Was tut man nicht alles, um einer Nachbarin mit einem Gefallen auszuhelfen! Das gute Zureden hat leider nur wenig geholfen. Die Füchse zu füttern, ist ihr zu einer liebgewordenen Aufgabe geworden und ich zu ihrer Urlaubsvertretung. Ob ich denn wüsste, dass Fuchs-Mamas ihre armen Kleinen ganz auf sich alleine gestellt lassen und diese ohne ihren Abendessen-Service elendig verhungern müssten? Was will man gegen eine alte Dame argumentieren? Ich bin ganz und gar nicht der Meinung, dass man wilde Tiere in einer Wohngegend füttern sollte, noch dazu mit ungesundem Gebäck.
Eichhörnchen: Fülle Kiste und Hängecontainer am Baum alle 2 Tage auf Vögel: Körnerhäuschen müssen immer voll sein Maus: Eine kleine Handvoll Vogelfutter täglich unter den zweiten Stein der an der Mauer lehnt Füchse: 2 Biskuits, jeweils vier geteilt und 2 Sausage Rolls, jeweils zwei geteilt und eine Handvoll Rosinen Wir werden Invasionen von Tieren hier haben. Spätestens nachdem sich das leckere Dinner herumgesprochen hat….
Da lobe ich mir doch die einfache Handhabe der englischen Bauarbeiter. Mike, unser Fußbodenleger war neulich morgens bei uns, um Nachbesserungsarbeiten am Laminat im Wohnzimmer durchzuführen. Die Frage nach einer Tasse Tee hätte ich mir sparen können, denn ich habe noch keinen Engländer erlebt, der ein Tee-Angebot ablehnt. Da wir noch immer keinen Wasserkocher besitzen, zweckentfremde ich die Kaffeemaschine kurzfristig zur Teemaschine. Eben Wasser aufgefüllt, einen Teebeutel in die Kanne geworfen und los geht’s. Wenige Minuten später serviere ich Mike einen herrlich starken Tee, den er sich mit etwas Milch bekömmlicher verfeinert. Die Engländer haben lediglich zwei Ansprüche an eine Tasse Tee. Warm und nass muss er sein, das behaupten sie jedenfalls. Die Antwort „As long as it’s warm and wet“ habe ich allerdings immer als „Ja, gerne“ gewertet. Überschwänglich bedankt er sich für das Getränk und bereits am frühen Morgen zu Scherzen aufgelegt antworte ich: „Er sieht zwar aus wie ein Kaffee, ist aber keiner…!“. Um dem Arbeiter nicht die Zeit zu stehlen, verlasse ich den Raum um meinen hausfraulichen Pflichten nachzugehen. Wenig später höre ich, wie er sein Werkzeug zusammen räumt und die Teetasse in die Küche bringt. Mit etwas Wasser spült er die Tasse aus und ich freue mich über die guten englischen Manieren. „Thank you for the tea“ bedankt er sich bei mir und ein „You’re welcome“ runden die Konversation ab. Die Haustüre fällt ins Schloss und ich mache ich mich über den Abwasch her. Geschirr vom gestrigen Abendessen stapelt sich auf der Spüle und ich schnappe mir die Kanne mit dem restlichen Tee, um ihn im Abfluss zu entsorgen. Stutzig betrachte ich den Inhalt. Komische Sorte Tee, der ist ja fast schwarz. Kaum gedacht steckt auch schon mein Riechkolben im Glasgefäß. Kaffeeduft vom Feinsten strömt mir entgegen und mir schwant böses. Mit einem geübten Griff schwingt die Filterklappe auf. Dort sitzt er, alt und benutzt, der Kaffeefilter vom Vortag. Eine Delle bohrt sich schmerzhaft in mein Selbstbewusstsein und ich stelle mir vor, wie furchtbar diese Tee-Kaffee-Mischung geschmeckt haben muss. Und garantiert erzählt Mike ab heute im gesamten Freundeskreis herum, was für ungenießbaren Tee die Deutschen kochen…
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