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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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05. Juni 2005 Ein Nickerchen mit Malermeister Kleckse Ach, es geht doch nichts über ein erholsames Mittagsschläfchen! Wie eine kleine Zeremonie staple ich zwei weiche gelbe Couchkissen aufeinander, breite die kuschelige Decke über die Couch und Sekunden später liege ich darunter. Tief atme ich die frische Luft durch die geöffneten Wohnzimmerfenster ein. Der Frühling ist wunderbar. Eine Mischung aus gemähtem Gras und frischer Farbe durchströmt die Räume. Aber… warum eigentlich Farbe? Schlagartig bin ich hellwach und mein Oberkörper schießt in die Senkrechte. “Hiya, you’re’ll right? Ich bin hier, um die Fensterrahmen zu streichen.” Die männliche Stimme kommt offensichtlich aus Richtung der Fenster, wohin mein Kopf nackenunfreundlich herum wirbelt. Positioniert auf einer Leiter ist von dieser Person aus dem Nichts lediglich der Kopf zu sehen. Weiße Farbkleckse sprenkeln seine sonnengebräunte Gesichtshaut und mit einem frechen Grinsen stiert er mich an. Gemächlich schwingt er den Pinsel über die hölzerne Oberfläche, sichtlich erheitert über die Ruhestörung. Er deutet mit einem Kopfnicken auf die Fensterfront “Das hier zu streichen wird eine Weile dauern!” Na das kann ja heiter werden… Kurz entschlossen klemme ich mir Kissen und Wolldecke unter den Arm und marschiere in ruhigere Gefilde unserer Wohnung. Zum Glück haben wir unser Gästezimmer am anderen Ende eingerichtet und die Gästecouch bietet sich förmlich an für einen “Afternoon-Nap”. Die Kissen-Decken-Zeremonie beginnt von vorne und ich platziere mich mit Vorfreude erneut in die Horizontale. Herrlich! Die Erholung kann beginnen. Wie schön doch der Moment zwischen Wachsein und Einschlafen ist. Schäfchenzählen ist nicht von Nöten. Langsam verschwimmen Gedanken, Geräusche verschwinden in der Ferne und eine tiefe innere Ruhe durchströmt meinen Körper, hüllt die Welt in sanfte Watte. Ein markerschütterndes Geschepper lässt mich aus der gerade eingetauchten Traumwelt erwachen. Wie ein aufgescheuchtes Huhn flattern meine Herzmuskeln unter meinem Brustkorb um die Wette. Der Kopf, der sich gerade über den Fenstersims schiebt, kommt mir bekannt vor. “Oh hi, ich dachte, ich fange doch lieber mit der Front des Hauses an, der Wind an der Rückseite ist momentan zu stark…” Ich könnte heulen. In meiner eigenen Wohnung komme ich nicht zur Ruhe, weil sich ein arbeitswütiger Maler ein Duell mit den Fensterrahmen liefert. Vor kurzem hat mich Ingo während einer meiner Schlechte-Launen-Phasen mit einem nörgelnden Baby verglichen, das seinen Mittagsschlaf nicht bekommen hat. Nicht weit davon entfernt fühle ich mich momentan und muss sogar noch einen oben drauf setzen. Meine Stimmung ist nun wirklich zum „Du“ sagen und in meiner Verzweiflung fange ich an, mit mir selber zu reden. “Okay, Claudia, zum Schlafen kommst Du offensichtlich heute nicht. Was tun? Joggen gehen? War ich die letzten vier Tage und meine müden Beine brauchen dringend eine Pause. Essen kochen? Habe gerade den Inhalt unseres Kühlschranks auf ein Minimum reduziert. Durchgefuttert von oben nach unten sozusagen. Die Tage vor den Tagen sage ich da nur. Shoppen? Tussenkram! Aber… warum eigentlich nicht! Die Sonne zeigt sich von ihrer freundlichen Seite und lädt durchaus zu einem Stadtbummel ein. Also nichts wie los. Wie es sich für eine ordentliche Engländerin gehört, schlüpfe ich in meine “Open-Toe-Shoes”, ziehe mir meine kurzen Hosen an und steuere den Bahnhof an.
Dies lässt sogar meine Müdigkeit verschwinden und übermütig stürze ich mich nach kurzer Zugfahrt in die funkelnde Einkaufswelt von Covent Garden und Oxford Street. “H&M, Esprit, Monsoon, Oasis. Hosen, Blusen, Schuhe, Unterwäsche. Nichts ist heute sicher vor mir. Rein in die Umkleide, raus aus der Umkleide. Über meinem Arm stapeln sich Berge von Klamotten und etwa drei Stunden und 75 Durchgänge später bin ich am Ende meiner Kräfte. Was ich jetzt brauche ist eine Auszeit bei Starbuck’s Café. Glücklicherweise ist die Ladenkette an jeder Ecke Londons zu finden. In englischer Manie bestelle ich Frappuchino in Mint-Mocca-Geschmack und werfe dem unverschämt gut aussehenden Typen hinter der Bar mein nettestes Lächeln entgegen. ”Lovely weather, isn’t it?” London ist zu meiner zweiten Heimat geworden und durch meinen Brustkorb strömt ein unbeschreiblich warmes Glücksgefühl. Die Möglichkeit zu haben, in der Weltmetropole zu leben empfinde ich einmalig und ich fühle mich mehr und mehr als waschechte Engländerin. Mit diesem Gedanken packe ich mein mitgebrachtes deutsches Vollkornbrot aus dem Butterbrotpapier und beiße herzhaft hinein. Hmmmm, ein Hoch auf die gute deutsche Fleischwurst von Lidl….
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