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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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02. April 2005 König Karl I. oder wie der Windhund zu seinem Namen kam Bis vor rund 8000 Jahren war die im Süden Englands gelegene Isle of Wight noch mit dem Festland verbunden. Doch der Meerwasserspiegel stieg an, der Fluss Solent verwandelte sich in eine Meerenge. Genau diese Meerenge überqueren wir am heutigen Abend in einer 30 minütigen Fährfahrt. Milder Wind weht uns um die Nase. Die mit Salz geschwängerte Luft riecht nach Urlaub. Auf der Insel angekommen fahren wir lediglich ein paar wenige Kilometer Richtung Süden, um unser B&B House Rosemary im Küstenort Shanklin zu erreichen. Die Villa im viktorianischen Stil wirkt einladend. Allerdings nur die Außenfassaden, wie wir am nächsten Morgen herausfinden. Aus der Dusche fließt kaltes, rostbraunes Wasser und auch das Frühstück fällt recht übersichtlich aus. Wen kümmert es? Dafür ist es hier günstig. Außerdem wollen wir nicht duschen, sondern Sightseeing betreiben.
Ryde, die größte Stadt der Insel nennt sich prahlerisch „Gateway to the Garden Isle“. Mit seiner lang gezogenen Strandpromenade entspricht das einstige Fischerdorf dem Bild der typischen Seestadt. Tea Houses locken mit kulinarischen Leckerbissen, Fisch & Chips Stände wetteifern um die Gunst des Kunden. Westlichster Punkt der Isle of Wight sind die etwas 30 Meter hohen Kalknadeln, treffend „The Needles – die Nadeln“ genannt. Steile Küstenklippen umgeben die Felsen, stellen ihre Farbenvielfalt zur Schau. Ockergelb bis rostrot erinnert die Hügellandschaft an einen Flickenteppich, die das dominante Felsmassiv umschmeichelt.
Der berühmteste Bewohner der Insel war zweifellos König Karl I. An der schönen Aussicht konnte er sich allerdings nur wenig erfreuen. 1647 bis 1648 wurde er hier gefangen gehalten, bevor man ihn in London hinrichtete. Ein Fluchtversuch scheiterte kläglich, er blieb zwischen den Gitterstäben stecken. Vielleicht hätte ein bisschen Sport geholfen. Zurück auf dem Festland ist von Fettleibigkeit bei dem Brightoner Windhundrennen nichts zu sehen. Mir stellt sich schon lange die Frage, woher die Tiere ihren Namen haben. Meine Theorie macht den mageren Körperbau der Vierbeiner verantwortlich. Ein einziger Windstoß löst bereits die Gefahr aus, sie wegwehen zu lassen. Mit eingezogenem Schwanz zittern die knochigen Leiber um die Wette während sie auf streichholzdünnen Beinen neben ihren Besitzer entlang stolzieren.
Die ersten vier Hunde werden in ihre Startkäfige geschoben, die wie maßgeschneidert zu ihren schmalen Körpern passen. Die Klappe fällt fast zeitgleich mit dem Startschuss. Das Schwenken der blauen Fahne bedeutet gleichzeitig den Start des orangefarbenen Windspiels am äußeren Rennbahnrand. Auf einer einspurigen Schiene flitzt der Lockvogel in Gestalt eines Fisches entlang. Bruchteile von Sekunden später folgen die Vierbeiner. Wie ungeduldig trommelnde Fingerkuppen auf einer Tischplatte könnte man das Geräusch der vorbeigaloppierenden Hundepfoten vergleichen. 30 Sekunden benötigen sie für eine Runde, danach ist alles vorbei.
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