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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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25. März 2005 Lauftraining, eine höchst gefährliche Sportart Ist Freitag nicht der schönste Tag in der Woche? Die Arbeitswoche beendend läutet er gleichzeitig das Wochenende ein. Was will man mehr? Als lieb gewonnenes Sahnetupferl obendrauf trifft Mann (und Frau) sich freitäglich für ein „leisurely“ Priory Club Lauftraining durch Surreys Felder und Wiesen. Ausnahmslos jeder Freitagvormittag wird rennender Weise verbracht, egal ob Regen oder Schneeschauer. Dachte ich bis heute... Letzte Nacht fielen erneut etliche Zentimeter Schnee und die Temperaturen liegen noch immer unter dem Gefrierpunkt. Unmengen dicker Flocken tanzen vom Himmel, lassen die Scheibenwischer zu Höchstformen auflaufen. Die angetaute weisse Pracht der letzten Tage hat sich in eine gefährliche Eisschicht unter der neuen Schneedecke verwandelt. Autos schleichen im Schneckentempo durch die Lande während Fußgänger jene ulkige Gangart entwickeln, die den Anschein erweckt, als hätten sie die Toilettenräume nicht rechtzeitig erreicht. Trotz oder gerade wegen des unerwarteten Wintereinbruchs freue ich mich auf das Lauftraining. Eine fast 20köpfige Laufmannschaft lässt den Empfangsbereich des Sportclubs fast überquellen. Matschige Schuhe verbreiten den in Läuferkreisen altbekannt Geruch, eine garstige Mischung aus ungewaschenen Socken und nassem Hund. Sandra würde jetzt sagen: „Riecht wie Laternenpfahl ganz unten!“ Das verkneife ich mir lieber als ich in die bedrückten Gesichter der Laufkollegen blicke. Die Aufklärung erfolgt prompt. Das Clubmanagement legt uns nahe, bei solch unberechenbarem Wetter nicht im Freien zu trainieren. Zu gefährlich, zu rutschig, zu verantwortungslos. Unbekümmert winke ich ab, bin ich doch im mittelfränkischen Hochland aufgewachsen. „Klar gehen wir raus! Wer weiss wann es in England mal wieder schneit!“ Doch entgegen meiner Erwartungen beugt sich Lauftrainerin Shireen der von höherer Stelle getroffenen Entscheidung und schlägt ein Zirkeltraining in der Halle vor. Bei diesem genialen Wetter die Zeit im Inneren verschwenden? Kommt gar nicht in die Tüte! Ich jogge auf jeden Fall, brauche dringend frische Luft! Enttäuschenderweise teilen meine Meinung nicht viele. Lediglich Patty zeigt sich von ihrer selbstbewussten Seite und stimmt heftig kopfnickend dem Lauf im Freien zu. Hocherfreut steuere ich den Ausgang an, der von breiten Schultern eines Clubmanagers versperrt wird. Wichtige Miene, wichtiger Zeigefinger. Dieser deutet auf einen frisch gedruckten Zettel, dessen Worte den Club von jeglicher Verantwortung entbinden. Nach zwei Unterschriften sind wir freie Menschen. Dürfen ganz offiziell trotz Schneefall joggen gehen… Eine friedliche Stille liegt über der weißen Landschaft. Hell und sauber wie unter einem glitzernden Vorhang liegen die Felder vor uns. Die dicke Schneedecke schluckt jeden einzelnen unserer Schritte geräuschlos hinunter, als wir an einer Schafherde vorbei bergab traben. „Oh, ist das nicht wunderschön?“ Begeistert von der Unberührtheit der Landschaft werfe ich meinen Kopf wie beim Tennisspiel von links nach rechts. „Ist auch gar nicht glatt!“ Noch während ich diese Worte ausspreche, zieht mir eine unsichtbare Hand zeitgleich beide Füße vom Boden. Ungeschickt lande ich auf der rechten Seite meines Allerwertesten. Ooaah, zieht das den Rücken hinauf...! Hör auf zu jammern, schimpft eine stumme Stimme mit mir, das kann schon mal passieren. Auf und weiter! Mit knackender Wirbelsäule rappele ich mich auf, klopfe mir den Schnee von den Hosen und galoppiere auch schon weiter. „Nix passiert!“ beruhige ich Patty „Bin nur ausgerutscht!“ Das Knirschen meiner Kieferknochen verursacht durch das Zusammenbeißen der Backenzähne kann sie zum Glück nicht hören. Doch wie es sich für eine echte Indianerin gehört, sind die Schmerzen schnell vergessen. Die Faszination der weissen Umgebung nimmt mich erneut in Beschlag und sorglos wandern meine Gedanken in die eiskalte Luft. Ach, es ist einfach herrlich hier draußen, die Luft so klar und rein und niemand hier außer uns. Vorsichtig tippele ich über eine gefrorene Wasserpfütze. Die Gefahren liegen versteckt unter der Schneedecke, ermahne ich mich wortlos als ich auch schon erneut zum Sündenbock degradiert werde. Dieses Mal erfolgt der Angriff von hinten, ähnlich hinterhältig wie beim ersten Mal. Schutzlos der eisigen Oberfläche ausgeliefert liege ich augenblicklich mit dem Gesicht im Schnee. Da hilft auch kein Ju-Jutsu-Grüngurt, ungeschickter kann man gar nicht fallen. Ein Schmerz wie ein Hammerschlag durchfährt meine Knie, gleichmäßig von links nach rechts verteilt. Warum steht eigentlich Patty noch? Nur mit Mühe kann sie sich ein Grinsen verkneifen und reicht mir ihre Hand zur Hilfe. Unterstützt von jammernden und fluchenden Worten gelange ich in die Senkrechte. Wie soll ich auf diesen Knien bitte stehen, geschweige denn weiter laufen? Höhnisch schüttelt Frau Holle ihre Federbetten auf und vor meinem Gesicht wirbeln erneut dicke Flocken durch die Luft. Mit Schmerz verzerrtem Gesicht marschiere ich humpelnd im Kreis. „Geht schon wieder!“ gebiete ich Pattys sorgenvollem Gesicht Einhalt. „Dass nur eines klar ist“ drohend drehe ich mich in ihre Richtung „Hiervon erfährt niemand! NIEMAND!“ Mit einem Kopfnicken, das keinen Widerspruch duldet, ist für mich die Unterhaltung beendet. Mein Atem dampft in der kalten Morgenluft. Zäh wie ein alter Stiefel setze ich einen Fuss vor den anderen. Der bohrende Schmerz in meinen Knien wetteifert mit einem glühenden Hinterteil. Es zählt keine Entschuldigung. Wir wurden gewarnt. Wir haben sogar dafür unterschrieben… Hier endet die Erzählung. Glücklicherweise können wir einen sturzfreien Rückweg bewältigen. Die sorgenvollen Fragen der Laufkollegen, wie es denn gewesen wäre, beantworten wir wahrheitsgemäß: „Umwerfend!“ Die anschließende heiße Dusche gönne ich mir zu Hause. Es wäre schwierig geworden zu erklären wo ich DEN herhabe…!
Die Moral von der Geschichte: Es gibt zwei Regeln: Regel Nummer 1: Manager haben immer Recht! Regel Nummer 2: Falls Manager einmal Unrecht haben sollten, gilt Regel Nummer 1!
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