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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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30. Jan. 2005 Wüstenfuchs Tiefhängender Nebel bedeckt die Wiesen und Felder mit einer Watteschicht. Graublau drängelt sich der Morgen an der Dunkelheit vorbei. Die Natur ist ein wundervoller Maler. Ein Pinselstrich violett, ein Hauch von rot. Der neue Tag beginnt… „Ich vermisse Otto jetzt schon.“ Ingos schlaftrunkene Stimme tönt noch immer in meinen Gedanken nach. Mein Nicken wie das einer verständnisvollen Mutter geht in der Dunkelheit unter. Ebenso der verräterische Glanz in meinen Augen. Sind wir nicht die Ersatzeltern unseres VW Busses gewesen? Können wir ihn nach neun Jahren wirklich von heute auf morgen hergeben? Wird er in gute Hände kommen? Fragen über Fragen durchströmen meinen Kopf.
Es ist schließlich nur ein Haufen Blech mit Unmengen von Rostflecken und Alterswehwehchen. Aber hat uns Otto nicht bis zum letzten Tag treu durch sämtliche Teile Europas getragen? Abgesehen von ein paar verzeihlichen Ausnahmen… Wie feucht gewordener Puderzucker klebt der Raureif auf den Weiden, die mich auf meinen Weg zur Harwich Fähre begleiten. In der Ferne trennt sich das Meer vom Horizont. Wie mit einem Lineal gezogen, teilen sich die zwei Elemente, auf deren Schnittfläche ein Schiff gen Osten fährt. Seine Silhouette zeichnet sich makellos vom weiß-blauen Himmel ab. Und die Erde ist doch eine Scheibe! Wo mag das Ende sein? Und wo wird Ottos Leben zu Ende gehen? 274.000 Kilometer ist er mittlerweile alt. Ist er nicht noch recht gut in Schuss? Der TÜV ist anderer Meinung. Löcher im Auspuff, rostige Bodenbleche, poröse Bremsen. Die Mängelliste ist lang. Alles in allem: unakzeptabel. „Okay!“ meint Oliver, nachdem ich ihm meinen enttäuschenden Auftritt bei der Fahrzeuguntersuchung schildere. „Dann hat Otto gute Chancen, in Afrika seinen Lebensabend zu verbringen. Dorthin werden solche Rostlauben gerne exportiert. Und für Dich und Ingo wächst die Wahrscheinlichkeit, ihn auf zukünftigen Motorradreisen durch afrikanische Länder wieder zu sehen…“ Die Schäfchenwolken am Himmel modellieren Phantasiefiguren, streifen die Wasseroberfläche des vor mir liegenden Ozeans. Tagträume erwachen. Eine Wolkenkarawane bestehend aus dutzenden Kamelen zieht vorbei. Kämpft sich ihren Weg über das Meer, das sich augenblicklich in den heißen Sand der Wüste verwandelt. Durchzogen von unzähligen Spuren der unruhigen Wellen. Die Wellen Afrikas! Ottos neuer Lebensabschnitt kann beginnen…
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