England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden

  

 

 

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17. Nov. 2004 Silberlöffel und Champagner

Das sind sie also, die Mitarbeitervorteile der Handpicked Hotelgruppe. Ganz spontan erfrage ich kurz vor dem Wochenende die Verfügbarkeit eines Hotelzimmers im Rhinefield House im New Forest. Eines unserer gefragtesten Häuser befindet sich in einer äußerst beliebten Ausflugsgegend. Nur wenigen Mitarbeitern ist es bisher gelungen, eine Übernachtung mit Bed & Breakfast zu ergattern. Ingo und ich machen allerdings keinen Zwang daraus. Lediglich eine nette Alternative zu einem Campingplatz überlegen wir uns, weswegen wir es auf einen Versuch ankommen lassen. Und bereits am Morgen des anderen Tages bekommen wir die positive Antwort. Das Zimmer mit Namen "Wellow" wartet auf uns, ebenso ein Frühstücksbuffet am Sonntagmorgen. Und das ganze für 15 Pfund pro Nase.

Ingo bleibt skeptisch, fragt sich, wo der Haken an der ganzen Sache ist. Ich bin wie immer positiv gestimmt, kann mir nicht vorstellen, dass etwas schief laufen kann. Wunderschöner Sonnenschein begleitet uns, als wir am frühen Samstagnachmittag mit minimalem Handgepäck in Richtung Südwesten fahren. Eine Unterhose, ein Reservepaar Socken, Zahnbürste und ein Buch. Mehr braucht es nicht.

Bereits nach 90 Minuten verlassen wir die Autobahn. Auf einer schmalen Straße winden wir uns durch die grünen, weitläufigen Weiden, die Teile des New Forest umgeben. Zäune existieren hier nicht und die Ponys, die hier in einer Vielzahl herumstreunen, sind allesamt wild und ungezähmt. Wir fühlen uns in eine andere Zeit versetzt.

Ein großes Schild am Straßenrand dirigiert uns nach links. "Welcome to Rhinefield Hotel". Hier sind wir richtig! Der geschwungene Kieselsteinweg liegt im Schatten von Canadian Redwood und Copper Beech Trees. Gesäumt von Rhododendrons folgen wir der letzten Biegung. Wie aus dem Nichts steht der massive Sandsteinkomplex vor uns. Dicke, graue Mauern, verschnörkelte Türmchen, englischer Rasen. Auf der Rückseite des Hotels begrenzen hüfthohe Hecken und Büsche den steinernen Springbrunnen. In welchem Märchen befinden wir uns? Die schwere, schmiedeeiserne Eingangstüre ist halbgeöffnet und ermöglicht uns einen ersten Einblick in das Innere des schlossähnlichen Hotels.

Auf verschiedenen Ebenen sind die verborgenen Schätze des Rhinefield House zu finden. Der Alhambra Room wurde von der Besitzerin Mabel Walker-Munro ursprünglich als Raucherzimmer für die Herren entworfen. Heute hält der reich verzierte Raum als privater Diningroom her. Über dem dunklen Eichenholz Esstisch in der Mitte thront ein immenser Kronleuchter. Die Fenster verzieren bunte, von Hand zugeschnittene Mosaikelemente, die dem Tageslicht den Einlass verwehren. Finster und geheimnisvoll, faszinierend und mystisch wirkt dieser Raum, der seinerzeit als Geburtstagsgeschenk an den Gatten der Besitzerin diente.

Von dem gemütlichen, in rot gehaltenen Kaminzimmer gelangt man durch eine gläserne Schwingtüre zur Orangerie. Gedämpfte Klassikmusik dringt zu uns herüber, kleine Teelichter hüllen den Raum in romantische Stimmung. Perfekt gekleidete Kellner servieren auf zierlichen silbernen Pyramidentabletts ausgewählte Törtchen, Kuchen und Kleingebäck. Die Teetassen aus zartem Porzellan entsprechen zusammen mit dem Silberlöffel der feinen englischen Art.

Ooch, ich hätte gerne eine Tasse Tee und ein Stück von der verführerischen Marzipan Pastry. Und hinterher ein Glas Rotwein in mundender Raumtemperatur. Das allerdings muss noch etwas auf sich warten, sollten wir doch zuerst unser Handgepäck im Zimmer verstauen. Von dem Pagen der Rezeption werden wir zu unserem „Wellow“ begleitet. Mildes, gelbliches Licht schenkt diesem Raum romantische Atmosphäre. Schwere bordeauxfarbene Samtvorhänge umgeben die unterteilten Fenster mit Blick auf den Hotelgarten. Auf weißer, frisch gestärkter Stoffserviette finden wir einen silbernen, glänzend polierten Sektkühler vor. Ein halber Liter feinster französischer Champagner auf Eis wartet auf uns. "With Compliments of the Rhinefield Team" sagt das handgeschriebene Empfehlungsschreiben. Wie aufmerksam! Gut, dann beginnen wir das Wochenende eben mit Champagner statt mit Rotwein. Das haben wir uns verdient!