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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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16. Nov. 2004 Guy Fawkes – der Bösewicht"Remember, remember, the fifth of November...!" Mit diesem kurzen Reim versuchen die Engländer sich an jenen Tag zu erinnern, an dem ihr Parlamentsgebäude im Jahre 1605 von einem gewissen Guy Fawkes in die Luft gesprengt werden sollte. Und genau diesem Bösewicht verdanken die Engländer die Möglichkeit, das Misslingen des geplanten Anschlages gebührend zu feiern. Im ganzen Land werden an diesem besagten Novembertag unzählige riesige Lagerfeuer, genannt "Bonfire" gezündet. Eines der größten und spektakulärsten soll im nahe gelegenen Ort Brockham flackern. Tausende von Besuchern treffen jedes Jahr hier ein, um die überdimensional große Pappfigur des Guy Fawkes abbrennen zu sehen. Dieses Spektakel lassen auch wir uns nicht entgehen. Auf einer großen Kuhweide parken wir im leichten Nieselregen unseren Bulli und halten Ausschau nach Frank und Catherine, die genau wie wir mit einer Thermoskanne randvoll gefüllt mit Glühwein und Plastikbechern ausgestattet sind.
Neben uns röstet seit 12 Stunden ein Spanferkel, dessen verführerischer Duft uns in die Nase steigt. Den stärker werdenden Regen nehmen wir zum Anlass, einen ordentlichen Schluck Glühwein für die innere Wärme zu trinken. Das tut gut! Und pünktlich um 20 Uhr ist es dann so weit. Eine als Teufel verkleidete Person klettert mit einer Fackel in der Hand mühsam bis zum Gipfel des Holzhaufens. Oben angekommen setzt sie unter großem Jubel in der Menge Guy Fawkes’ Pappkörper in Brand. Das in Kürze zu einem riesigen Flammenmeer gewachsene Feuer sprüht gleißende Funken und verbreitet meterweit seine wohltuende Wärme.
Dutzende von Autos versuchen sich im matschigen Untergrund von der Stelle zu bewegen, was zur Folge hat, dass sie sich tief in die aufgeweichte Erde eingraben. Unbeteiligte Fahrzeuge werden mit Schlamm und Dreck beschleudert. Auch unser Otto ist die längste Zeit weiß gewesen. So richtig weiß war er ja nie, hatte immer einen eleganten Grauschleier. Aber heute Abend ist er richtig dunkelbraun, von der Windschutzscheibe bis zum Stossdämpfer. Die gesamte vordere Front. Mittlerweile verstehe ich auch, warum Ingo sich beim Glühweintrinken so vornehm zurückgehalten hat. Nicht nur einmal habe ich ihm angeboten, uns nach Hause zu fahren, was er rumdrucksend ablehnte. Er hatte genau diese Situation befürchtet und Bedenken, ich wäre dieser nicht gewachsen. Ich wünschte, er handle nicht immer so vorausschauend. Das würde mir nämlich die hintere Position ersparen, an der ich mich nun befinde und meine 55 Kilo mit aller Kraft gegen Otto-Bulli stemme. Frank und Catherine bieten ihre muskuläre Unterstützung an und nach wenigen Sekunden sehen die beiden genauso verdreckt aus wie ich. Über unsere Köpfe fliegen die braunen, schlammigen Brocken und verwandelt uns in Mohrenköpfe. Aber unsere Mühe findet Belohnung und wie auf Glatteis rutscht Ingo mit unserem Otto in Richtung Weidenausgang. Applaus, Gelaechter, Schulterklopfen. Das war ein Spaß! Nichts desto trotz. Nächstes Jahr fahre ich!
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