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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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19. Oktober 2004 Peter und die Suzi Der Kalender schreibt August, etwas präziser gesagt Ende August. Der herannahende Herbst zeigt sich von seiner besten Seite. Die Sonne ist noch immer recht warm, die Luft angenehm mild. Trotzdem Grund genug für die Engländer, sich über das Wetter zu beschweren. Morgens zu kalt, mittags zu windig, abends zu wechselhaft, eben zu englisch… Wir lassen uns nicht auf die negative Seite zerren! Nichts hält uns von einer Wochenendtour nach Wales ab. Einmal mehr wollen wir unsere Motorräder in die Wildnis treiben, oder zumindest herausfinden, was davon im britischen Westen übrig geblieben ist. Peter aus der Bremer Ottostraße wird uns begleiten. Mit der Cuxhaven-Harwich Fähre soll er in Kürze mit seiner Suzuki 1000 ankommen. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr genau, ob es nun eine 1000er ist oder eine 1200er. Schwarz und wild sieht sie aus, da bin ich mir noch sicher. Donnerstag Morgen. Mein Motorrad und ich kämpfen uns durch die Rushhour der Londoner Ringautobahn M25. Ganz alleine trete ich den Abholservice an, um Peter und Black Suzi aufzupicken. Fieses Gedrängel, dichter Verkehr, wütende Autofahrer, genervte Huperei. Mit entschuldigendem Schulterzucken bin ich froh, ein deutsches Kennzeichen zu haben, als ich mich beim Überholen durch die Blechlawinen hindurch quetsche. Pünktlich um 11 Uhr stehe ich am Fährhafen. Jede Minute müsste Peter ankommen. Das hoffe ich zumindest inständig. Denn der rothaarige Typ neben mir mit breitem Cornwall Akzent fragt sich die Seele aus dem Leib um zu erfahren, ob ich hier auf MEINEN oder EINEN Freund warte. Die Reste des Mohnbrötchens zwischen seinen Zähnen blecken mich förmlich an, als er zum wiederholten Male herzhaft über einen seiner eigenen Witze lacht. Zum Glück steht einige Mohnkörner später Peter vor mir und hastig verabschiedet sich Rübezahl. Welch eine Wiedersehensfreude! Zwei weitere deutsche Motorradfahrer gesellen sich zu uns und da wir alle in die gleiche Richtung müssen, beschließen wir, im Pulk zu fahren. Überflüssig zu erwähnen, dass ich heftig zustimmend nicke, bin ich doch zu gerne in männlicher Gesellschaft. Ich wachse mit meiner kleinen roten F650 mal eben 30 cm in den Himmel, als ich für die nächsten zwei Stunden Reiseleiter spiele. Drei Jungs hinter mir, und ich zeige ihnen wo es langgeht. Davon habe ich schon immer geträumt… Vier Tage sind wir in Wales unterwegs auf der Suche nach den kleinsten und einsamsten Straßen und Feldwegen. Und wir finden sie! Eingefasst von hohen, grünen Hecken treffen wir auf Reitergruppen, Wanderer und Unmengen von Kaninchen und Eichhörnchen. Die grünen Hügel Wales umranden die landschaftlichen Leckerbissen. Wie aus einem Bildband entsprungen existieren sie nur für uns. Zumindest für dieses Wochenende. Peter sorgt sich lediglich um seine Suzuki. „Ej, das ist ein Bugspoiler, keine Schaufel!“ beschwert er sich bei einer unseren vielen Kaffeepausen. Ich glaube, so verdreckt sah sein Moped noch nie aus. Aber ganz ehrlich, ein Moped möchte auch mal dreckig sein. Wer ist denn früher als Kind nicht in Wasserpfützen gesprungen oder hat sich mit Freunden eine Schlammschlacht geliefert. Zum Kindesalter kehrt doch jeder mal zurück, oder?
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