England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden

 

 

 

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3. Juli 2004 Magic-Roundabout

Das riesige weiße Schild am Straßenrand sagt uns, dass wir richtig sind. Auf den ersten Blick der Beschreibung eines Irrgartens gleich, versuchen wir uns zu orientieren. Der „Magic Roundabout“ in Swindon ist DER Abenteuerspielplatz für Touristen. Ein mächtiger Kreisverkehr in der Mitte der Straße wird von fünf kleineren Kreisverkehren umgeben.

Um auf die gegenüberliegende Seite zu gelangen, muss ungefähr 20 Mal die Vorfahrt beachtet werden. Egal, hinein ins Vergnügen. Erster kleine Kreisel… kein Problem…..einmal rundherum. Automatisch wird man in den zweiten Kreisel geleitet… hui…..rum und weil’s so schön ist gleich noch mal rum. Damit hat der Autofahrer neben uns nicht gerechnet, der mit quietschenden Bremsen seine Vorfahrt-achten-Regelung einhält. Konnte uns wohl auf den ersten Blick nicht gleich als Touris erkennen.

 

 

 

Los, weiter ….. jetzt mal in den großen. Äußerst mutig stelle ich mich der Herausforderung. Das liegt wohl daran, dass ich heute bei Ingo hintendrauf sitze. Immer wieder deutet mein Zeigefinger im Lederhandschuh in eine andere Richtung. Das ist wie Karussell fahren. Jipii! Und noch mal den kleinen und den nächsten und und und…… Nach 10 Minuten haben wir einen Drehwurm und Ingo bringt seine BMW auf der Rasenfläche am Rande des betonierten Tummelplatzes zum Stehen.  

Wir gönnen uns eine kleine Verschnaufspause und halten Ausschau nach Kathy und Murray, mit denen wir am heutigen Samstag hier verabredet sind. Diesen Treffpunkt kann man gar nicht verfehlen und bereits nach wenigen Minuten sehen wir die massive BMW auch schon anrollen.

 

Genau das gleiche Spielchen beobachten wir nun von außerhalb. Rein in den Kreisel, raus aus dem Kreisel und noch mal von vorne. Nach endlosen Minuten parkt Murray mit wirrem Blick die schwer bepackte Maschine neben uns. Wann werden die Jungs nur endlich erwachsen?

 

Nach kurzer Begrüßungszeremonie machen wir uns auf den Weg nach Wales. Je weiter wir Richtung Osten fahren, desto bergiger präsentiert sich die Landschaft um uns herum. Riesige leuchtend gelbe Rapsfelder mischen sich mit dem durchdringenden Rot des Mohns. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Zum Glück spielt das Wetter mit. Die Sonne strahlt auf die penibel gepflegten englischen Vorgärten. Ein Meer aus bunten Blüten und Pflanzen umwuchern die grau-braunen Steinmauern der hübschen Häuser. Straßenschilder geben mittlerweile die Namen der Ortschaften in Englisch und in Welsh an. Wir überqueren ein Hochplateau, auf dessen höchstem Punkt grüne hügelige Zungen in den weiß-blauen Himmel ragen. Die Berge scheinen einige der tief hängenden Wattewolken kitzeln zu wollen. Eine Landschaft wie in Neuseeland! Schafe kreuzen unseren Weg und die kleine Lämmer laufen verschreckt von den lauten Motoren in Richtung ihrer Mütter.

Immer schmäler werden die Straßen. Mit lediglich einer Armspanne Platz nach links und rechts kommen wir nur gemächlich vorwärts. Aber wir haben ja Zeit. Vor allem für eine Kaffeepause! Und so halten wir an einem gemütlich aussehenden Pub, dessen Außenmauern geschmückt sind mit liebevoll bepflanzten Blumenkästen und schwarzen Fachwerkbalken. Die goldenen Buchstaben des „Black Horse“ leuchten in der Nachmittagssonne des englischen Nirgendwo. Mich lüstert es nach Kaffee und Kuchen und so stelle ich dem Wirt die hoffnungsvolle Frage nach Erdbeerkuchen. „Madame“, so seine Antwort „You are in England. And this is a pub not a café!”

Schlauscheißer! Meine gute Erziehung lässt mich dieses Wort zum Glück nur denken. Dann eben Kaffee ohne Kuchen. Viermal bitte! Die Frage nach Schwarzwälder-Kirschtorte verkneife ich mir lieber grinsend.