England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden

  

 

 

 

 

 

 

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28. Juni 2004 Englische Fußball-Nacht

Die Luft im Abbott-Pub lässt sich schneiden. Dicke Rauchschwaden hängen unter der Decke, schweben im flackernden Licht der Großbildleinwand durch den Raum. Eine riesige weiße Fahne mit dem roten englischen Kreuz ziert die Decke, während dutzende von kleineren Ausgaben die Bar schmücken. Auf dem abgewetzten Holzfußboden liegen verstreut bunte Luftballone herum, werden von Bier holenden Fans durch den Raum gekickt. England gegen Kroatien steht auf dem heutigen Programm der Fußball-Europameisterschaft 2004 und jeder aus Redhill und Umgebung scheint auf den Beinen zu sein. Bis in die hinterste Ecke sind sämtliche Steh- und Sitzplätze belegt. Wir drängen uns durch die Menge und ergattern einen letzten Stehplatz neben dem einarmigen Banditen, dessen Zahlen und Bilder ungeachtet im Schummerlicht untergehen. Das Interesse gilt heute dem Fußball. Das Spiel ist spannend, die Stimmung gut. Kommentare des Reporters im Fernsehen vermischen sich mit Besserwissereien und Diskussionen der Gäste. Ein Tisch vor uns besetzt mit etwa 10 jungen Mädels liegt im Blickfeld zur Leinwand. Bauchfreie Tops, superkurze Miniröcke und hüftlange Haare dominieren das Bild. Ein riesiger weißer Handschuh mit nach oben gestrecktem Zeigefinger tanzt durch die Luft. Die Besitzerin lässt ihre speckigen Hüften im Takt der Partymusik kreisen. Sehr zur Freude des Typen am Nachbartisch, dessen Haare den Farben der englischen Flagge angepasst sind. Es ist schwierig, die Konzentration auf dem Spiel zu belassen, viel zu interessant ist die Umgebung. Aber plötzlich steigt die Spannung. David Beckenham vor dem Tor, setzt zum Schuß an…. und……zielt ins Tor. Jubel und Begeisterung schallen im Ohren betörender Lärm durch den Raum. Sitzende springen auf, werfen sich dem am nächsten stehenden in die Arme. Hände werden in die Höhe gerissen, Schulterklopfen, Anerkennung, pure Freude. Die Stimmung lässt sich am besten mit der Silvesterparty zur Jahrtausendwende vergleichen. Und es handelt sich hier lediglich um das Vorspiel!  

Randvoll gefüllte Biergläser werden über den Tresen geschoben, Nachschub um auf den bevorstehenden Sieg anzustoßen. Wie Limonade wirkt das englische Bier. Gelb-orange Flüssigkeit auf der die appetitanregende Schaumkrone fehlt. Die Engländer scheinen sich daran allerdings nicht zu stören. Man bekommt immerhin vier und muss nur drei bezahlen. Sagt jedenfalls die Werbung auf dem überdimensional großen Plakat an der Wand neben der Theke. England hat sich sehr den amerikanischen Verhältnissen angepasst. Kauf zwei dann kriegste drei oder so ähnlich. Aber was will ich bitte mit vier Bier auf einmal. Ich kriege nicht mal eines durch den Hals. Widerlich warm und abgestanden schmeckt es dem Leitungswasser nicht unähnlich und verursacht lediglich ein Würgen in der Halgegend. Diese Meinung behalte ich aber besser für mich!