|
England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
|
|
|
6. Juni 2004 Polizisten haben es gutMit langen, stampfenden Schritten marschiert der Polizist in blauer Uniform auf uns zu. Sein Gesichtsausdruck verheißt nichts gutes. Zwei tiefe senkrechte Zornesfalten graben sich zwischen seine Augen in die Stirn. Die buschigen Brauen drücken die blau-grünen Augen zu zwei schmalen Spalten zusammen, während der Mund sich in einen schrumpeligen Schlitz verwandelt. Er steuert geradewegs auf Ingos Motorrad zu. Meine Gedanken überschlagen sich. Hat er etwa gesehen, wie Ingo dem abbiegenden Auto vor uns über den Fußweg ausgewichen ist? Ist er nur deswegen umgedreht? Wo ist nur mein Führerschein? Mist, unsere Motorräder haben noch deutsche Kennzeichen. Und wo ist mein Ausweis? Der dicke Zeigefinger des Polizisten deutet in die Mitte von Ingos Oberkörper. „Do you speak English?“ Heute kann Ingo nur noch „ein kleines bißchen“. Wenn das unser Englischlehrer wüßte. Die Stimme böllert los: „Do not ride over MY footpath! When you ride over MY footpath, then you go to court!“ (Fahre nicht über MEINEN Fußweg! Wenn Du über MEINEN Fußweg fährst, gehst Du vor Gericht!) Ich starre auf das Schauspiel, es kommt mir vor wie im Traum. Hat er sie noch alle? Das waren höchstens zwei Meter und außerdem fahren wir Enduros! Hat der eigentlich mal seine eigenen Landsleute beobachtet, wie die Motorrad fahren, da sind wir sowas von harmlos. So ein Wichtigtuer! Ich blicke zu Ingo, der genauso entgeistert auf Rambo stiert. Aber....oh nein..... er wird doch nicht...... Um seine Mundwinkel zuckt es verdächtig und ich kann erkennen, daß Ingo krampfhaft versucht, nicht loszuprusten. Zu witzig ist die Situation, obwohl der versteinerte Gesichtsausdruck durchaus Eindruck auf mich macht. Eine letzte Warnung: „Fahre anständig!“ bevor der Polizist auf dem Absatz kehrt macht und breitbeinig in Richtung Auto entschwindet. Ingo dreht den Kopf in meine Richtung. „Ok, über SEINEN Fußweg fahre ich nicht mehr. Das nächste Mal nehme ich den seines Kollegen.“ Toll, daß hier in England jeder Bobby seinen eigenen Fußweg bekommt. Was passiert wohl nach einer Beförderung? Dürfen sie dann eine Straße ihr Eigen nennen? |