England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden

 

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4. Mai 2004 Just because I’m a woman

Der englische Zoll spielt mit Ingos Nerven. Seit Tagen erwarten wir den ersehnten Anruf der Londoner Spedition, dass alles „bella“ ist und wir die Mopeds rausholen dürfen. Tatsächlich kommen Anrufe, aber ständig werden noch irgenwelche Informationen benötigt. Was die alles wissen wollen, ich find’s echt unmöglich. Warum sind wir in England? Wie lange? Für immer? Sind wir verheiratet? Wie lange sind wir schon ein Paar? Warum gerade England? Wie oft gehen wir auf die Toilette? Also, das letzte Mal bin ich echt ein bisschen zickig geworden, woraufhin mir Bill von der Spedition sagte, ich solle locker bleiben. Was der Zoll hier alles wissen will, hat nicht unbedingt mit den beiden Motorrädern zu tun, sondern durchaus auch terroristischen Hintergrund. Oh Mann, ich weiß noch nicht mal, wie man das Wort „Terrorist“ richtig schreibt, geschweige denn kann ich einer Fliege etwas zuleide tun. Die Spinne, die gestern über meine Bettdecke im Schlafzimmer krabbelte, habe ich mit einem Glas gefangen und am nächsten Morgen auf dem Balkon wieder frei gelassen. Für die notwendigste Versorgung während der Nacht habe ich ihr zwei Tropfen Wasser unter das Glas geträufelt und ein paar Brotkrumen hingestreut. Soviel dazu!

Sobald wir also den „die-Mopeds-sind-da“-Anruf bekommen, haben wir sieben Tage Zeit, einen Anhänger auszuleihen, zum Hafen zu fahren, die Kiste zu zerlegen und die Mopeds zum problemlosen Anspringen zu überreden. Hört sich gar nicht so schlimm an, oder? Es gibt aber natürlich einen Haken bei der ganzen Sache. Mal wieder darf Ingo nächste Woche verreisen und das für vier Tage. Würden also vom Zeitpunkt des Anrufes bis zu Ingos Rückkehr nur drei Tage zur Verfügung stehen. Also, ich bin da ja ganz großzügig und meinte gestern, daß ich dann eben allein zum Londoner Hafen fahre und die Mopeds dort raushole. Irgendwie werde ich entsprechende Halle schon finden. „Aha!“ so Ingos Kommentar, „Und dann? Zerlegst Du also alleine die Kiste, baust alleine die beiden Vorderräder in die Mopeds und schiebst sie dann auch ganz locker auf den Anhänger, natürlich alleine.“ Naja, ehrlich gesagt habe ich so weit noch gar nicht gedacht, bin ja nun auch ein Gegenwartsmensch. Aber losgefahren wäre ich auf jeden Fall! Und außerdem hat die ganze Sache einen Vorteil. Ich bin eine Frau! Ich kann jederzeit einen Mann fragen, ob er mir den Bulli mit Anhänger rückwärts entsprechend platziert, weil ich nur Schlangenlinien zustande bringe. Oder hier mal mit anfassen, dort mit hochheben. „Kannst Du mir mal zeigen, wie man so eine komische Schraube fest zieht?“ „Hast Du eine Ahnung, ob es sich hier um das Vorderrad oder das Hinterrad handelt?“ Ach, es ist so schön, hilflos zu sein.