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England, Tagebuch 2er die auszogen, britisch zu werden |
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15. April 2004 Einkaufswagen sind mitzubringenZwei volle Tage habe ich es durchgezogen. Bin ganz in schwarz gelaufen und habe offensichtlich getrauert. Es ist schon ein herber Verlust, hier in Redhill keinen ALDI zu haben. Aber am dritten Tag war mir das echt zu warm in den dunklen Klamotten und außerdem ist ja auch Frühling und die bunten Farben verstauben im Kleiderschrank zu Hause. Und tatsächlich habe ich Ersatz gefunden: LIDL! Von den Engländern liebevoll "Leddl“ genannt, freue ich mich über seine Existenz und marschiere in den Lebensmittelmarkt mit dem blau-gelben Markennamen. Die Ein-Pfund-Münze für den Einkaufswagen schon in der Hand freue ich mich auf’s Ausfindigmachen neuer Schnäppchen. Aber... wo sind die Einkaufswägen? Ein leerer Platz am Eingang. Komisch, so voll sieht das hier doch gar nicht aus. Na gut, dann muß es eben ohne gehen. Ich suche mir einen aufgeschnittenen Pappkarton, platziere ihn möglichst bequem auf meinem linken Unterarm und schlendere los. Hmmmm Traubensaft und....oooh wie lange hatte ich schon keine Dosenmilch mehr. Käse, Joghurt, Obst, Toilettenpapier. Ächtz, meine Arme werden immer länger und die Schweißperlen auf meiner Stirn drohen sich in einen Wasserfall zu verwandeln. Die Einkaufsliste ist noch längst nicht abgehakt, als ich mich an die Kasse schleppe. Ein taubes Kribbeln durchzieht meine Fingerspitzen. Mit gymnasitschen Fingerübungen versuche ich, das Blut wieder zum Fließen zu bringen, als ich mit Ohren wie Krautblättern der Beschwerde vor mir Aufmerksamkeit schenke. Im strengen London-Akzent beschwert sich ein Herr im grauen Anzug lauthals über die fehlenden Einkaufswagen. Tatsächlich befinden sich so gut wie keine weiteren Kunden im Markt, der vorgesehene Platz für die rollenden Hilfsmittel ist aber nach wie vor gähnend leer. Der junge Kassierer indischer Abstammung zuckt hilflos die Schultern. „Die Einkaufswagen stehen natürlich unten in der Tiefgarage. Dort, wo der Kunde nach Einladen seines Autos ihn auch stehen läßt. Wo denn sonst?“ Unglaublich, welche Lässigkeit hier an den Tag gelegt wird. Nach dem Motto: Vorsicht, Kunde droht mit Auftrag. Auf die Idee, einen Schwung der Wagen hochzuholen, scheint der Jüngling noch nicht gekommen zu sein. Dafür sorgt aber Oma hinter mir, die sich ungefragt in die Diskussion einmischt und zur Verstärkung mit ihrem Gehstock wenige Millimeter hinter meinem Kopf wild von rechts nach links fuchtelt. Der kurze Protest scheint Wunder zu wirken. Ein weiterer Mitarbeiter, eben noch mit Auffüllen der Rotweine beschäftigt, flieht förmlich in den Fahrstuhl in Richtung Tiefgarage und wenige Minuten später stehen mindestens zehn Einkaufswagen in Reih und Glied am Eingang des redhiller Lidlmarktes.
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